Wie finden wir zu einer wirklich guten Entscheidung?

Wir brauchen ein Update für unsere Demokratie. Deshalb gibt es DEMOKRATIE IN BEWEGUNG und deshalb wollen wir neue Dinge ausprobieren, andere Wege der Entscheidungsfindung testen und daraus lernen. Das sogenannte “Systemische Konsensieren” ist eine Alternative zur klassischen Mehrheitsentscheidung. Diese Methode fördert vielfältige Meinungen und gibt allen Beteiligten die Möglichkeit den Prozess der Entscheidungsfindung mitzugestalten. Ich habe Stephan aus unserem Team SKpaden gefragt, wie das genau funktioniert.

 

Was ist Systemisches Konsensieren?

 

Systemisches Konsensieren ist ein besonderer Weg der gemeinsamen Entscheidungsfindung oder Entscheidungsvorbereitung. Als „Konsensieren“ bezeichnen die Erfinder Schrotta und Visotschnig den kreativen Prozess der Suche nach der bestmöglichen Annäherung an den Konsens, also nach der größtmöglichen Übereinstimmung unter allen Beteiligten. „Systemisch“ nennt man den Prozess deshalb, weil er systembedingt zu einem konstruktiven und kooperativen Verhalten aller Beteiligten führt – und das ohne von ihrem guten Willen abhängig zu sein!

 

Das klingt spannend, aber sehr abstrakt! Wie funktioniert das Ganze in der Praxis?

 

Das Geheimnis ist, dass Entscheidungen mit Widerstandspunkten statt positiven Bewertungen durchgeführt werden. In der Regel verwendet man dazu eine Skala von 0 bis 10 Punkten, wobei 0 “kein Widerstand” bedeutet und 10 “Maximaler Widerstand”. Statt mit “Dafür” (Mehrheitswahl) abzustimmen, ergibt sich stattdessen eine Summe aus Widerständen für jeden Lösungsvorschlag. Außerdem beinhaltet eine Entscheidung in der Regel mehr als zwei Lösungen sowie den Vergleich mit der jeweiligen Passivlösung (dem “Status Quo”). Der Prozess ist hier in der Grafik veranschaulicht.

 

 

Was ist eine gute Entscheidung nach den Maßstäben des Systemischen Konsensieren?

 

Eine gute Lösung wurde dann gefunden, wenn der Widerstand in der Gruppe gegenüber eines Vorschlags geringer ist als der Widerstand gegenüber der Passivlösung. Und das Beste ist: Eine Kombination mehrerer guter Lösungsvorschläge ist dabei ebenfalls möglich.

 

Was ist bisher Eure Erfahrung mit dem Systemischen Konsensieren?

 

Gerade bei komplexen oder emotional aufgeladenen Themen spielt sich die Stärke dieser Methode aus. Denn durch einen Fokus auf die Probleme und Schwachstellen der Lösungsvorschläge fördert der Prozess eine konstruktive Zusammenarbeit zur Verbesserung der Vorschläge in einem zweiten Schritt.

 

Welche Schwierigkeiten sind dabei bisher aufgetreten?

 

Die Schwierigkeit ist am Anfang allen Beteiligten den Prozess zu erklären. Dieser Aufwand rechnet sich aber, weil am Schluss eine tragfähige Entscheidung herauskommt, an der alle Beteiligten mitgearbeitet haben. Die Akzeptanz solch eines Ergebnisses ist im Vergleich zu klassischen Abstimmungen viel höher. Der Prozess der Entscheidungsfindung kann je nach Umfang und Komplexität der jeweiligen Fragestellung angepasst werden, zum Beispiel durch Zwischenschritte wie eine Pro-/Contra-Aufstellung oder gar eine Voranalyse mit “Wünschen an eine gute Lösung”.

 

Warum ist das Systemische Konsensieren eine gute Idee?

 

Das Systemische Konsensieren steuert dem reinen “Machtdenken” entgegen. Die Methode fordert alle Beteiligten auf, Lösungsvorschläge beizutragen. Lösungsvorschläge werden auf ihre Schwächen hin analysiert, dann wird gemeinsam daran gearbeitet, die Schwächen der Vorschläge abzubauen – das heißt sie zu verbessern. Damit fördert sie genau das, was wir an der aktuellen Politik so häufig vermissen: Mitbestimmung und Teilhabe.

 

Wer Interesse hat, bei der Entwicklung dieser Methode für den Marktplatz und das Plenum mitzuarbeiten, wendet sich am besten auf dem Marktplatz direkt an @stephan.enge!

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