Förderung des ländlichen Raums

Seit Jahren ist ein zunehmender Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum zu beobachten. Menschen leben lieber wieder direkt in den größeren Städten oder deren unmittelbare Nähe. Nach den Berechnungen des Statistischen Landesamts werden die städtischen Regionen des Rhein-Main-Gebietes besonders stark wachsen. Für die eher ländlich geprägten Regionen Mittel- und Nordhessens sind zumeist rückläufige Bevölkerungszahlen zu erwarten. Die natürliche Bevölkerungsbilanz aus Geburten und Sterbefällen war in fast allen Landkreisen laut Statistischem Landesamt negativ.

Ausgangslage

Hessen hat in der vergangenen (2007 bis 2013) Förderperiode 263,5 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) erhalten und damit fast 1.000 Projekte im Rahmen des operationellen Programms für die Förderung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung „RWB-EFRE-Programm Hessen 2007 bis 2013“ in Hessen realisiert.

Zukunft für die ländlichen Regionen

Regionaler Wettbewerb, zivilgesellschaftliches Engagement und ein aktivierender Staat bilden die Basis für ein neues Verständnis regionaler Politik. Die Region wird dabei als Ebene der gesellschaftlichen Selbststeuerung aufgewertet.

Die regionalen Entwicklungsprozesse werden durch den Organisationstypus des Regionalmanagements gestaltet. Regionales Management vermittelt dabei informell und intermediär zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Kernaufgabe des Regionalmanagements ist es dabei, regionale Probleme durch eine offene, netzwerkartige und integrierende Form öffentlicher und privater Akteure in der Region nachhaltig zu lösen.

Diese Form des Regionalmanagements muss unter zwei Hauptblickwinkeln betrachtet werden:

  • als Organisation mit institutionellen Strukturen und Prozessen, die in ihr handelnden Akteure steuert.
  • als selbst handelnden Akteur innerhalb gesellschaftspolitischer Strukturen, der regionale Entwicklungsfragen beeinflusst.
  • übergeordnetes Ziel ist eine gemeinwohlorientierte und nachhaltige Regionalentwicklung, bei der eine gleichberechtigte Teilhabe der Partner im Netzwerk durch das Managment sichergestellt wird.

Maßgebend für den Erfolg ist insbesondere das Engagement der regionalen, oft ehrenamtlichen Akteure. Deren dauerhafte Motivation und kollektive Koordination ist existenziell für die organisatorische Handlungs- und Leistungsfähigkeit. Das Land muss daher ausreichende Mittel für ein entsprechendes regionales Management bereitstellen.

Daraus ergibt sich das Ziel einer flächendeckenden, professionellen Organisationssteuerung. Vor dem Hintergrund des Interessenpluralismus regionaler Akteure und der gemeinwohlorientierten Zielsetzung der Organisation eignet dafür ein generischer und interdisziplinärer Steuerungsansatz für das Regionalmanagement. Von praktischen Spezifitäten losgelöst unterbreitet es normative Qualitätsstandards, die einer konzentrierten Motivation und Koordination der regionalen Akteure dient.

Grundlegend ist dabei ein wechselseitiges Zusammenwirken der beteiligten Institutionen und Akteure. Eine Analyse der Akteurshandlungen erfolgt immer vor der (bestmöglichen) Gestaltung einer verantwortungsvollen Organisationssteuerung. Die Schlüsselprinzipien sind dabei Kommunikation, Transparenz und Vertrauen. Abschließend fixiert ein Verhaltenskodex die Qualitätsstandards des gemeinsamen Konzepts. Als gemeinsame Erklärungs wirkt dieser Kodex für das Regionalmanagement auf der freiwilligen Selbstbindung der Akteure und durch das gegenseitige Vertrauen verpflichtend und moralisch bindend.

Bestehende und neue Regionale Netze

>Die bereits vorhandenen Strukturen und Organisationen in der Regionalentwicklung verstehen sich als gemeinsame Gestaltungsaufgabe von Wirtschaft, Staat und Politik. Sie setzen auf die Unterstützung der Stärken und Potenziale in den Regionen zur Förderung des regionalen Wachstums.

Die aktuelle Regionalpolitik in Hessen sieht ihre Aufgabe darin, die infrastrukturellen Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum zu schaffen sowie Veränderungs- und Modernisierungsprozesse in der Wirtschaft zu unterstützen und zu beschleunigen.

De Facto existieren jedoch nur in Nord- und Mittelhessen seit längerem arbeitende Regionalmanagement Systeme. Es gibt noch einige weitere, in deutlich kleineren Organisationseinheiten tätige Regio Systeme.

Zukunft

Um Hessen regional weiter zu entwickeln, den demografischen und den Klimawandel zu meistern oder auch die Energiewende nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten, muss ein effizientes, flächendeckendes Regionalmanagement in ganz Hessen aufgebaut werden.

Wichtig ist dabei die Einbeziehung der Menschen vor Ort. So kann Landflucht vermieden werden, so können neue Ideen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich nachhaltig für Zukunft von den Bürger*innen entwickelt und aufgebaut werden.

Politik muss hier an erster Stelle organisatorische Rahmenbedingungen gewährleisten und die dafür nötigen Finanzmittel bereitstellen.

Um eine hessenweite Entwicklung deutlich zu verbessern und zu beschleunigen, ist die Methode der thematischen Netzwerke zu nutzen. Solche Netzwerke entstehen, in dem in den Regionen Zukunftsthemen gesichtet und aufgestellt werden. Zu gleichen Themen vernetzen sich dann die unterschiedlichsten Akteure aus Wirtschaft, Vereinen, kommunalen Trägern und Politik. Erfahrungsaustausch, geballte Expertise und gemeinsam entwickelte Ziele befördern eine nachhaltige, zukunftsfähige regionale Entwicklung.

Thematische Netzwerkthemen

  • zukunftsfähige, kleinteilige Arbeits- und Handwerksstrukturen erhalten oder neu entwickeln
  • Nahversorgung der Bürger\*innen sicherstellen (Einkauf, medizinische und soziale Versorgung)
  • Aufbau regionaler Energieversorung, vorzugsweise mit Bürgerbeteiligung
  • Neuentwicklung oder Wiederinbetriebnahme flächendeckender Nahverkehrssysteme
  • Stärkung / Entwicklung von regionalen Kultur- und Tourismusangeboten
  • Entwicklung / Förderung regionaler (Bio-)Lebensmittelproduktion –> Landwirtschaft, Nutztierhaltung, Produktion

Eine landesweite Vernetzung ist zwecks Erfahrungsaustausch und Vermeidung regionaler Abschottung sinnvoll einzubauen („Landesnetzwerk Regionalmanagement“).

Finanzierung

u.a. aus dem Bereich Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (Haushaltsansätze 2018: 1.839,6 | 2019: 1.880,4 | 2020: 1.868 | 2021: 1.848 | in Mrd.)

Die Möglichkeiten der zusätzlichen Finanzierung aus dem Topf der Europäischen Regionalförderung und aus dem ESF (Europäischer Sozialfonds) sollen unbedingt genutzt werden. Außer zusätzlicher Finanzmittel bieten diese Fonds einen großen Erfahruungsschatz und Wissen in der Netzwerkarbeit. Darüber hinaus ist damit ein ergänzender Wissensaustausch mit anderen europäischen Regionen möglich.

Die regionale Entwicklung findet damit von ganz unten, aus der Region, von den Bürgern über das Bundesland Hessen bis nach Brüssel statt.

Zum bestehenden Finanzierungsmix braucht es weitere Mittel, um in allen Regionen Netzwerke aufzubauen und zu betreiben. Die Mischung aus privaten Mitteln (Unternehmen, Bürger*innen), Bürgerschaftlichem Engagement, Fördermitteln aus dem Land, Bundesmitteln und EU Fördermitteln sollte verbessert und vertieft werden. Die grundsätzliche Systematik wird damit erweitert und effizienter.