In der Pflege muss sich endlich etwas ändern!

Der Vorsitzendes des Weltärzt*innenbundes, Frank Ulrich Montgomery, bezeichnete das Weihnachten 2020 als „Fest mit einem Todesrisiko für manche Menschen“. Das sagte er, bevor der Barmer Pflegereport veröffentlich wurde. Aber sicherlich sind ihm die Inhalte des Reports nicht neu.

Dieser Pflegereport benennt den Bedarf von 115.000 neuen Stellen, allein in der Altenpflege. Na immerhin hat der Bundestag schon mal 20.000 davon beschlossen. Dabei sind noch nicht mal die 13.000 Stellen, die im letzten Jahr beschlossen wurden, besetzt. Das Ganze wirkt also – freundlich ausgedrückt – unzureichend.

Wie will man denn bei den momentanen Arbeitsbedingungen noch Personal finden? Nach Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt können examinierte Berufseinsteiger*innen in der Altenpflege 2830 Euro brutto verdienen, was einen Stundenlohn von ca. 16,75 Euro ausmacht. Für Pflegehilfskräfte, die nach diesem Tarif bezahlt werden, gibt es ab 2284 Euro monatlich. Wohlgemerkt: brutto! Im TVöD-Pflege! Offenbar wundert man sich nicht mal, warum sich vor den Pflegeheimen noch keinen Schlangen mit interessierten Arbeiter*innen gebildet haben.

Und da haben wir einerseits noch nicht über die weiteren Arbeitsbedingungen geredet und zum anderen auch nicht über private Pflegeheime. Überstunden, Überlastung, Schichtdienst, Konfrontation mit Sterben und Tod. Für „nen Appel und nen Ei“ macht das doch kaum noch jemand freiwillig. Die Politik setzt hier offenbar auf intrinsische Motivation und Helfer*innensyndrom bei den Pflegekräften. Sind das noch würdevolle Arbeitsbedingungen? Ist das ein würdevolles Lebensende für alte Menschen? 

DEMOKRATIE IN BEWEGUNG fordert eine rigide Verbesserung der Arbeitsbedingungen, wozu eine Eindämmung von Überstunden, eine bessere Entlohnung der Arbeit, ein angemessener Personalschlüssel und eine höhere Pflegepauschale bei häuslicher Pflege gehören. Klatschen vom Balkon war mal, jetzt muss Politik endlich handeln!

Und weil es in privaten Pflegeeinrichtungen überwiegend noch schlechter aussieht, weil die Pflegekräfte noch mehr Druck haben und noch weniger verdienen, fordern DEMOKRATIE IN BEWEGUNG die Rückkehr des gesamten Gesundheitssystems in die öffentliche Hand. Nur so kann würdevolle Pflege annähernd sichergestellt werden.

Für das bevorstehende Weihnachten ist es nun zu spät. Der Januar 2021 wird vermutlich ein Monat mit sehr hohen Todeszahlen in Pflegeheimen werden. Aber auch ohne Pandemie ist es um das deutsche Pflegesystem schlecht bestellt. 

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