Ein Hackathon – und ein utopischer Gedanke

Ein Hackathon – und ein utopischer Gedanke

– Kommentar –

Am Wochenende fand ein Hackathon statt, ausgeschrieben von der Bundesregierung zusammen mit sieben sozialen Organisationen.

Fast 43.000 Menschen haben ein Wochenende lang ihre geballte Kreativität in vielen Gruppen eingebracht, um Lösungen für Probleme zu finden, die durch die Corona-Krise entstanden oder offensichtlich geworden sind. Insgesamt sind dabei 1490 Projekte entstanden, die Lösungen für ganz verschiedene Herausforderungen anbieten. Ich selbst habe in einer Gruppe von 179 Menschen im Alter von 14 bis 59 Jahren mitgearbeitet, eine neue Software für dezentralen digitalen Unterricht zu entwickeln. Das Ergebnis kann schon bald Wirklichkeit werden und das Problem adressieren, dass Schüler*innen derzeit nur schwer unterrichtet werden können.

Aber das Beste, was ich von diesem Hackathon mitgenommen habe, ist das grandiose Gefühl dass es möglich ist, dass Menschen einfach nur so, aus Spaß am Erschaffen und mit Elan und Freude zusammen arbeiten, ohne einen Gedanken an Geld zu verschwenden.

Denn das ist es, was mir seit Jahren immer klarer wird: Eigentlich will ich das alles gar nicht. Ich will nicht meine Arbeitszeit erfassen, will keine Rechnungen schreiben, will keine Steuererklärungen vorbereiten. Ich will einfach nur leben, mit allem, was es dazu braucht, will mein Ding machen, am liebsten konstruktiv mit vielen anderen, die andere Fähigkeiten in das jeweilige Projekt einbringen.

Kurz: Ich will gar kein Geld. In einer Welt, in der allein schon der Besitz von viel Geld zu einem Einkommen führen kann, das aus sich selbst heraus immer weiter wächst, ist der eigentlich einmal geniale Gedanke eines Zwischentauschmittels zu einem Machtinstument geworden und gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.

Das Wochenende hat in mir das Gefühl erzeugt, dass das möglich sein müsste. Natürlich wird es Widerstände geben. Ohne den Besitz als Machtinstrument werden Menschen Macht verlieren, die sich ihrer immer sicher waren. Satt dessen werden Menschen an Einfluss gewinnen, die sinnvolle Ideen zu unserem Zusammenleben beitragen können.

Aber wäre das für uns als Menschen in ihrer Gesamtheit so schlimm? Wären wir nicht sogar alle besser dran? Ein erster Schritt auf diesem Weg könnte das – auch im Zuge der Corona-Krise weltweit immer intensiver diskutierte – bedingungslose Grundeinkommen sein.

Es würde Menschen frei machen in ihren Entscheidungen, das zu tun, was sie gut können und nicht, was am meisten Geld einbringt. Und dann könnte irgendwann in ferner Zukunft Geld seine Bedeutung völlig verlieren. Das wäre der größte Fortschritt, den die Menschheit erreichen könnte. Denn dann wäre jedes Individuum genau gleich viel wert. Jeder Mensch könnte in dem Bereich, in dem er Stärken hat zur Gemeinschaft beitragen, könnte lernen, was er noch nicht kann und so sein Engagement ausbauen, verlagern oder auch ‘mal ruhen lassen, um neue Kraft zu schöpfen. Ohne Neid, ohne Machtanspruch und jede*r für alle. Wäre das nicht paradiesisch?

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