So entlarvst du Populismus

Populisten auf der ganzen Welt

Alice Weidel, Björn Hoecke, Geert Wilders und Marine Le Pen. Auch Donald Trump ist einer, ein Populist. Auf allen Kontinenten fahren (rechts)populistische Politiker*innen im Moment große Erfolge ein. Dabei setzen sie vor allem auf eine einprägsame, drastische Wortwahl, mithilfe derer sie Emotionen schüren. Oft kreieren sie Feindbilder und erzählen das Märchen von der Rettung des eigenen Volkes. Wir haben dir im Folgenden einige klare Anzeichen zusammengefasst, mit denen du populistische Aussagen eindeutig entlarven kannst. 

Populismus, was bedeutet das eigentlich? 

Dass „Populismus“ irgendwas mit Volk zu tun haben muss, das verrät uns bereits der Name, lateinisch „populus“ für Volk. Es folgt die Endung „-ismus“ und diese steht, wie sollte es anders sein, für eine Ideologie. Eine Ideologie „vom Volke“. 

Der Populismus teilt in zwei Gruppen, „wir“ und die „anderen“. Daran ist an sich nichts Schlimmes, da wir alle im Alltag dieses System verwenden. Diese Einteilungen sind je nach Zusammenhang aber variabel. Im Populismus allerdings gibt es nur Extreme: Die Guten und die Bösen. Und der Populismus geht sogar noch weiter, denn die Probleme der Welt werden der Gruppe der Anderen nicht nur zugeschrieben, sie wird direkt dafür verantwortlich gemacht.

Typische Kennzeichen populistischer Aussagen

Wir haben dir typische Kennzeichen und Aussagen zusammengestellt, die dir helfen, Populisten zu erkennen und zu entlarven.

  1. Feindbild Presse: „Wir sind die einzigen, die euch die Wahrheit sagen“ 

Mit dem Erstarken der Populist*innen hat sich auch das Wort „Lügenpresse“ etabliert. Dem liegt die Behauptung der Populist*innen zugrunde, dass alle anderen außer sie selbst lügen würden. So lautet ein Slogan der AFD „Mut zur Wahrheit“. In Österreich betreibt die FPÖ einen Youtube-Kanal, auf dem sie angeblich über brisante politische Themen berichtet, die von den Massenmedien nicht aufgedeckt werden. In den USA brüllt Donald Trump bei jeder Meldung über ihn, die ihm nicht passt: FAKE NEWS. 

Viele Menschen misstrauen deshalb den etablierten Medien. In vielen Ländern Europas hat infolge die Pressefreiheit bereits stark gelitten. 

2. „Wir sind anders“ 

Grundlage des Populismus ist das Berufen auf den „Gesunden Menschenverstand“. Dieser aus einer angeblich der Lebenswelt der Menschen gewonnene Erkenntnisstand wird dabei als maßgeblich betrachtet und gegen die Welt der Universitäten, der Forschung und der Akademien gestellt. Was ein Mensch nicht selbst mit seinen eigenen Augen erfassen kann, ist in den Augen der Populist*innen nichts wert. Daher wird der „gesunde Menschenverstand“ als überlegen gegen die Reflexion der Wissenschaft gestellt, denn im Gegensatz zur Wissenschaft basiere der Menschenverstand auf der realen Erlebniswelt der Menschen, ist noch nicht von Zweifeln und dem modernen Skeptizismus verunreinigt und weißt daher einen direkteren Zugang zur Wahrheit auf.

3. „Wir sind die Guten“

Wie weiter oben bereits beschrieben nutzt der Populismus die Einteilung in „wir“ und die „anderen“. Dabei ist das „Wir“ immer die gute Seite und die anderen sind für alles Schlechte in dieser Welt verantwortlich. Dabei wird auch auf sehr drastische Worte zurückgegriffen und beinahe ein Kriegsszenario erstellt. 

4. „Wir sind das Volk.“ 

Populist*innen suggerieren gerne, dass sie den Willen des Volkes repräsentieren. Gewählte Regierungen seien dazu nicht in der Lage, weil sie die Elite eines Landes und nicht das Volk repräsentieren würden. Populist*innen repräsentieren sich deshalb als „Kämpfer des kleinen Mannes“. Klassischerweise wendet sich der Populismus hier gegen die angebliche „Bevormundung“ der Bevölkerung durch die aktuelle Elite – strebt aber gleichzeitig einen Aufstieg einer neuen, der jeweiligen Ideologie entsprechenden Elite an. Populismus ist also, im Gegensatz zum Anarchismus, nicht konsequent antielitär, sondern richtet sich immer nur gegen die aktuell herrschende Elite.

5. Anbieten einfacher Lösungen

Eine populistische Ideologie erkennst Du, vereinfacht gesagt, immer daran, dass sie für schwierige, oftmals komplexe Probleme (z.B. eine Wirtschaftskrise) eine einfache, oft sogar bequeme Antwort hat. Diese Antwort besteht nicht selten darin, dass eine bestimmte Gruppe beschuldigt und angegriffen wird. Populismus richtet sich immer gegen etwas, nie für etwas.

6. Simulierte Volksnähe: Wir sind wie du.

Der Hauptempfänger des Populismus ist in eher bildungsfernen, grundsätzlich unpolitischen Schichten zu finden – also in sozialen Gefügen, in denen die Politik die meiste Zeit über keine oder kaum eine Rolle spielt, weil dort das Bild des „korrupten Politikers“ weit verbreitet ist. Daher versuchen Populist*innen meistens, sich als „einfache Leute“ von der Straße zu präsentieren. Diese sind den Menschen näher als Politiker der Hauptstadt.

7. Keine Dialogbereitschaft

Das Ziel des Populismus ist die Anklage der anderen. Populist*innen sind nicht bereit, mit Andersdenkenden in den Dialog zu treten. Das einzige Ziel ist die Diffamierung. 

8. Tatort: Internet 

Populist*innen sind vor allem im Internet aktiv. Dort können sie ungeprüft ihre Meinungen in die Welt hinaustragen und erreichen heutzutage beinahe jeden Menschen. Durch die Flut an Nachrichten und täglichen Informationen können viele Menschen gar nicht mehr unterscheiden, was ist nun richtig und was ist falsch. Der Jackpot für Populisten ist natürlich, wenn die Medien Meldungen, die im Internet „groß“ gemacht wurden, dann auch in ihren Nachrichten weiterverbreiten. Damit erhalten diese Meldungen eine gewisse Legitimation und Seriosität. Vorsicht also im Internet! 

Fazit: 

Der Populismus ist eine trennende Ideologie. Sie basiert einzig und alleine darauf, dass die Gesellschaft in zwei Lager eingeteilt wird. Beide Lager werden hier sehr schwarz-weiß und absolut gezeichnet. Auf dieser Basis werden einfache Lösungen für komplexe Probleme angeboten, während die Spaltung der Gesellschaft als Mittel zum Zweck weiter betrieben wird. Populist*innen müssen nicht nur Rechte sein, Populisten gibt es in allen politischen und unpolitischen Lagern. 

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