Geld

Wie können wir Wohlstand und Zufriedenheit der Menschen messen? Bereits im 17. Jahrhundert haben Menschen sich diese Frage gestellt. Seit dem 20. Jahrhundert ist das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, die wichtigste Messgröße, um den Erfolg eines Landes zu bewerten. Das BIP gibt dabei den Gesamtwert aller Produkte an, die innerhalb der Landesgrenzen eines Staates als Endprodukte hergestellt werden. Das BIP bewertet also die wirtschaftliche Kraft eines Landes als absolute Größe und misst Wohlstand und Erfolg somit ausschließlich in Geld.

Das Wohlbefinden der Einwohner*innen, geleisteter Umweltschutz oder auch die Teilhabe der Menschen am Wohlstand berücksichtigt das BIP nicht. Es bewertet auch nicht, ob der wirtschaftliche Erfolg auf Kosten anderer Menschen oder Länder erreicht wird.

Dass sich aber Glück und Zufriedenheit nicht ausschließlich in Geld messen lassen, ist mittlerweile in zahlreichen Studien belegt, siehe die “World Database of Happiness” und  Die Bürger*innen von Singapur gehören zum Beispiel global gesehen zu den produktivsten der Welt mit einem pro Kopf Einkommen von durchschnittlich 51.000 US $, wohingegen die Bürger Costa Ricas nur ein bescheidenes pro Kopf Einkommen von 12.000 US $ erwirtschaften. Trotzdem gaben die Bürger Costa Ricas in einer Studie des “Happy Planet Index” eine viel höhere Lebenszufriedenheit als die Bürger*innen Singapurs an.

In einer Zeit, in der immer weniger Menschen am Wohlstand teilhaben und in der die Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstands immer mehr auf Kosten der Umwelt oder anderer Länder erfolgt, halten die Initiator*innen das BIP für nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen den Wirtschaftswachstums-Hype infrage stellen und eine Maßeinheit finden, die nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg einer Nation widerspiegelt, sondern auch aussagt, wie es den Menschen in einer Gesellschaft geht.

Wie diese neue Maßeinheit aussehen soll, diskutieren wir in unserem Plenum mit der Initiative “Das gute Leben”. Wir haben mit Initiator Bente Faust über die Initiative und seine Beweggründe gesprochen.

 

Warum ist das BIP die falsche Messgröße?

Das BIP misst nur die wirtschaftliche Stärke eines Landes und wird für den Vergleich zwischen den Ländern herangezogen. Aber es gibt auch andere Faktoren, die den Erfolg eines Staates ausmachen, die werden völlig außer Acht gelassen. Deshalb ist es Zeit für einen neuen Indikator, der das Ganze vielschichtiger betrachtet.

Was würde für Dich persönlich eine gute Messgröße ausmachen?

Ganz wichtig: Wir müssen immer mit berücksichtigen, was wir kaputt machen. Hier sind die Stichworte Gemeinwohlökonomie und Nachhaltigkeit zu nennen. Wir müssen uns fragen: Sind wir jetzt so erfolgreich, weil wir nachfolgenden Generationen Lebensraum kaputt machen? Wirtschaftlicher Erfolg sollte immer nachhaltig gedacht sein. Dazu kommt noch, wenn wir immer nur nine to five arbeiten, fehlt uns die Zeit für die guten und schönen Dinge im Leben. Deshalb haben wir die Initiative auch “das gute Leben” genannt.

Das Thema “Glück messen” haben wir absichtlich nicht mit berücksichtigt, weil es schwer zu definieren ist, das ist schnell sehr philosophisch. Uns geht es darum, die Frage zu klären, was ein gutes Leben ausmacht.

Was fordert die Initiative?

Die Initiative bietet keinen konkreten Lösungsansatz, sie ist vielmehr ein Aufruf und eine Forderung, sich zu dem Thema Gedanken zu machen. Menschen aus allen Bereichen, Expert*innen, Bürger*innen, Politiker*innen, sie alle sollen gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Dieser neue Indikator soll der Politik so ins Blut übergehen, dass er in den politischen Alltag einbezogen wird und Politiker*innen sich erstmal die Frage stellen: Fördert mein Vorschlag “das gute Leben”?

Kann noch mitdiskutiert werden?

Auf jeden Fall! Es soll auch noch mitdiskutiert werden. Es handelt sich bei dieser Initiative auch um die erste Ini, die noch keine Lösung formuliert hat, sondern das Darübernachdenken und Mitarbeit fordert. Es ist eine Initiative mal anders formuliert.

Bis zum 26.12.2017 hast Du hier noch die Gelegenheit mitzudiskutieren. Mach mit!

Article by Kathrin

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